Toscana - Genusstour Day 2 / 2019

07:00 Tagwache, Zelt abbauen, packen, Expresso, Brioche. Das wird ein guter Tag. Wir fahren sogar noch vor 09:00 ab.

Wir fahren zu den Carrara Steinbrüchen, parkieren die Maschinen und begeben uns zum Info Point. Ich bin jetzt schon geflashed von den Eindrücken. Es ist einfach RIESIG was die hier machen.

Der Plan: Wir buchen die Tour zum Gipfel aller Steinbruchgipfel. Ein letzter Espresso, dann Helme gefasst und Warnweste an, dann begeben wir uns zum Landrover Defender. In Rekordzeit 600m Höhe gewinnen ist das Motto, aber erst mal von vorne. Unser Fahrer ist ein braungebrannter Italiener in Latzhose, Sonnenbrille und nicht geschnürten Stiefeln, der zu allen Schandtaten parat ist. Wir steigen also ein und ein Holländer Pärchen mit dazu. Nun gut, das wird sicher lustig. Der witzig wirkende Italiener stellt sich als Mister Big vor. Ja ja, klar doch, du bist der grösste. Nun ja, der gute Mann erklärt, dass wir nun 600m an Höhe gewinnen werden und ja, er hat sicher gedacht, was die mit dem Motorrad können, das kann ich auch.

Die Fahrt: Landrover Defender, Allrad, Untersetzung, Blattfedern, Steinbruch, VOLLGAS. Der gute Mann tritt beherzt aufs Gas und knallt den ersten Berg mit mehr als 20% Steigung hoch, 2.3.4. Gang, es scharrt und rüttelt und Motor läuft in den oberen Drehzahletagen. Hier zu schlucken wäre falsch gewesen, das hätte nur vom Gedanken abgelenkt, ob wir da aus dieser Nummer heile raus kämen. Erste Kurve, der Landrover geht auch quer. Ein riesiger Lastwagen kommt entgegen und zwingt uns die Fahrt zu verlangsamen. Das ist gut so, denn die Holländer sehen das mit gemischten Gefühlen, wir auch. Man bedenke, da kommen jenseits der 20 prozentigen Steigungsfahrt Lastwagen entgegen, die Tonnagen von Marmor geladen haben. Wir in einem Defender mit einem lebensmüden Italiener, der uns beweisen will, dass er schnell, nein sehr schnell sein will.
Oben angekommen bietet sich ein gewaltiges Bild des ganzen Marmor Abbaus. Mister Big erklärt uns ganz artig, wie das so funktioniert hier, und das ist ganz schön eindrücklich. Die bauen von einer 50km Bergkette nur gerade 5% Marmor ab, da der Rest Unesco Kulturerbe ist. Wenn man bedenkt, wieviele Maschinen hier rumwerkeln, ist das vermutlich auch besser so.

Das ganze wäre ja wirklich interessant, wäre da nicht im Hinterkopf die Gewissheit, dass wir den Berg wieder runter müssen. Aber gekonnt verdrängen wir das, als unser Mister Big mit Zigarette im Mundwinkel einfach mal vom Kofferraum her über das Dach läuft und via Motorhaube gekonnt wieder auf den Boden springt. Zirkusreife Leistung. Autotüre zu und da wäre also die Antwort auf die gekonnt verdrängte Frage: Kommen wir hier heile runter ? Die Autotüre ist zu und Mister Big erklärt uns, dass wir jetzt eine Rekordfahrt hinlegen werden. Na ja, was soll ich sagen, wir habens alle überlebt. Aber der Typ ist echt irre.






Der Rest ist Beilage. Bäume, Bäume, Bäume und nochmals Bäume. Dazwischen allerfeinste Kurven. Wir bewegen uns im Grenzgebiet Emilia-Romagna und der Toscana. Stassenzustand unter aller Sau. Wir fahren über Kleinststrassen steil gen Himmel und ja, eine falsch parkierte Triumph Tiger wiegt in einer abschüssigen Kurve gut und gerne gegen 300 kg. Nun gut, kein Problem, wir sind ja zu zweit und es sind ja nur 28 Grad, aber egal, Marc wird das Einrenken meines Rückens finanziell tragen müssen.

Am Abend checken wir im Albergo Melini ein. Irgendwo zwischen Bäumen. Duschen, Essen, Bier etc. Aber: Das das Florentiner Steak ist der Hammer. So, habe fertig.
Spicki
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